Medizintechnik
Neue Materialien zur Wundheilung – Baukasten für heile Haut
Bessert sich eine äußere Verletzung nicht binnen einiger Wochen, spricht man von einer chronischen Wunde. An solchen Erkrankungen leiden rund zwei Prozent aller Menschen in den Industrienationen. Außer einer Vielzahl von Wundauflagen gibt es bisher kaum therapeutische Möglichkeiten. Bayer Innovation (BIG) entwickelt derzeit Produkte zur Behandlung der komplexen Symptome.
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| Die Bayer-Projektleiter Iwer Baecker und Dr. Burkhard Fugmann (v. li.) koordinieren die Entwicklung der innovativen Pflaster. |
Die Ursache der chronischen Wunden ist ein Ungleichgewicht verschiedener Faktoren. So gibt es eine Überaktivität von Zellen, die die Entzündungsreaktion der Verletzung in Gang halten, sowie an Proteasen, also Protein abbauenden Enzymen. Demgegenüber steht ein Mangel an Wachstumsfaktoren, die für die Neubildung von Gewebe nötig sind. Sie werden unter anderem von den Proteasen zerstört. Diese Enzyme könnten nur durch passende Inhibitoren blockiert werden, von denen aber ebenfalls nicht genügend vorhanden sind. Oft ist das verletzte Gewebe auch mit Sauerstoff unterversorgt.
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| Keimfreie Produktion: Unter hohem Druck werden aus flüssigem Kieselgel Fäden erzeugt und in Formen gefüllt, die Labormitarbeiter Kai-Michael Heuser auf dem sogenannten Changiertisch zum Trocknen ablegt. Dabei bildet sich ein Faserflies, aus dem später die Wundauflagen hergestellt werden. |
So entwickeln die Bayer-Forscher derzeit eine neuartige Auflage aus einem altbekannten Material: Kieselgel. Diese Substanz ist schon seit Langem als Nahrungsergänzungsmittel weit verbreitet und in Pillen- oder Kapselform als Kieselerde erhältlich. Um es aber für Wundauflagen nutzen zu können, musste das Kieselgel als physikalisch stabile, aber ebenfalls bioresorbierbare – also im Körper abbaubare – Faser hergestellt werden. Dieser Durchbruch gelang Forschern am Fraunhofer Institut für Silicatforschung (ISC) in Würzburg im Labormaßstab. Bayer Innovation übernahm diese neuartige Technologieplattform Ende 2005 und betreibt seitdem die gezielte Produktentwicklung. Seit Mai 2007 arbeitet in Leverkusen eine Pilotanlage, um die Fasern nach dem GMP-Standard herstellen zu können.
Aufbau neuer Blutgefäße beschleunigt
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Die Kieselgel-Wundauflagen dagegen bleiben nicht nur optimal lange in der Wunde, sondern auch in ihrer ursprünglichen Struktur erhalten, bevor sie vom Körper resorbiert werden. Des Weiteren könnten die Fasern schon während des Herstellprozesses mit Substanzen ausgestattet werden, die die Wundheilung zusätzlich unterstützen: Keimfreie Wundauflagen mit Wirkstoffen könnten beispielsweise mögliche Krankheitserreger in offenen Wunden abtöten. Bayer Innovation arbeitet auch an Substanzen, die die Heilung generell fördern sollen: Die Zugabe von Wachstumsfaktoren, die in chronischen Wunden nur in unzureichender Konzentration vorkommen, oder auch von Inhibitoren, die den Abbau der Wachstumsfaktoren in der chronischen Wunde hemmen.
Drei Phasen der Heilung
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