Start der klinischen Studie zur neuen Kieselgel-Wundauflage von Bayer

Neuer Hoffnungsträger gegen chronische Wunden

Leverkusen. Die Zeit heilt alle Wunden? Leider nicht. Bei manchen Menschen heilen schwere Hautdefekte nur sehr langsam oder gar nicht. Für solche chronischen Wunden hat die Bayer Innovation GmbH (BIG) eine spezielle Gewebeauflage entwickelt, die den Heilungsprozess beschleunigen soll.
An den Universitätskliniken Köln und Hamburg startet jetzt eine erste klinische Studie mit Patienten, die an chronisch venösen Unterschenkel-Geschwüren leiden. Sie werden mit dem neuartigen Wundverschluss behandelt.
Schnelle Heilung: Wundauflagen aus neuartigen Materialien sorgen dafür, dass sich chronische Wunden schneller schließen.
In der zweiten Jahreshälfte soll die Studie dann auf 15 Kliniken in Europa und den USA mit insgesamt 250 Patienten ausgeweitet werden. Für die BIG ist der Studienbeginn ein wichtiger Meilenstein. "Es ist unser erstes Projekt, mit dem wir in eine klinische Studie gehen", so Dr. Detlef Wollweber. Und noch etwas freut den BIG-Geschäftsführer: "Wir haben dies nach nur drei Jahren eigener Entwicklungszeit erreicht." Die Studie soll zeigen, ob die neue Wundauflage von Bayer den Heilungsprozess von chronischen Wunden fördert. "Dazu wird eine Hälfte der Teilnehmer mit unserem neuen Produkt behandelt, während die übrigen Patienten eine handelsübliche Auflage erhalten", erklärt Iwer Baecker, Projektleiter bei der BIG.
In definierten Zeitabständen werde dann der jeweilige Heilungsprozess gemessen. Die Hoffnungen sind groß, dass die Neuentwicklung von Bayer helfen kann, eine Behandlungslücke großen Ausmaßes zu schließen. Der Berufsverband Deutscher Chirurgen schätzt die Zahl der Patienten, die in Deutschland mit nicht heilenden, häufig schmerzhaften Wunden zu kämpfen haben, auf zwei bis vier Millionen. Dazu zählen beispielsweise Menschen mit einem diabetischen Fuß oder mit bestimmten Gefäßerkrankungen. Vor allem ältere Patienten haben es häufig mit chronischen Wunden zu tun. Dank einer Gewebeauflage aus Kieselgelfaser-Vlies soll der neue Wundverschluss von Bayer den natürlichen Heilungsprozess aktiv unterstützen. Versuche haben bereits gezeigt, dass das 2008 mit dem "Josef-von-Fraunhofer-Forschungspreis" ausgezeichnete Material dafür gute Voraussetzungen liefern könnte. Die Gewebefasern bieten gesunden Zellen offenbar optimale Möglichkeiten zum Anhaften, so dass sich entlang den Fasern der Auflage schnell neue Hautschichten ausbilden können.
"Eine solche aktive Unterstützung des Heilungsprozesses fehlt bisher am Markt", so Prof. Dr. Sabine Eming von der Klinik für Dermatologie an der Universität zu Köln, Leiterin der Studie. Ein weiterer Vorteil: Die Kieselgelfasern werden mit der Zeit vom Körper abgebaut. Der Wundverschluss muss daher nicht mehr entfernt werden. Am Ende bleibt lediglich die neu gebildete Haut zurück – und schließt die Wunde. Die Studie soll 2011 abgeschlossen sein. "Wir hoffen aber, schon vorher auf Basis erster Zwischenbefunde den kommerziellen Erfolg eines solchen Produkts abschätzen – und entsprechend vorbereiten – zu können", so Baecker. Unterstützt wird die BIG von Experten bei Bayer HealthCare, Bayer Schering Pharma und Bayer Vital. Auch Kollegen von Bayer Technology Services und Currenta wirken mit - etwa bei der Produktion der Wundauflagen-Muster sowie bei der Analytik. BIG-Geschäftsführer Wollweber: "Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, wie Synergien zwischen den verschiedenen Teilkonzernen und Service-Gesellschaften genutzt werden können."
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